Pflichtwidrigkeitsklausel

Pflichtwidrigkeitsklausel, Experimentierklausel

in allen Versicherungsbedingungen zur Berufshaftpflichtversicherung von Architekten ist der Versicherungsschutz ausgeschlossen, wenn die Schadenursache ein „bewusster Verstoß“ ist. Diese Pflichtwidrigkeitsklausel ist das Einfallstor des Versicherers um ggf. Versicherungsschutz zu versagen. Das sollte man auch bei jeder Schadenschilderung beachten.

Klar: Wer extra etwas falsch macht, der soll keine Versicherungsleistung erhalten. Jedoch gibt es hier auch den Anscheinsbeweis für bewusstes Handeln. So ist der Verstoß eines Architekten gegen Gesetz, Bauvorschrift oder die allgemein anerkannten Regeln der Baukunst ein solcher Anscheinsbeweis, Fiktion des bewussten Verstoßes.

Wo wird nun praktisch von den Versicherern die Grenze gezogen zwischen versichertem versehentlichem Handeln und bewusstem nicht versichertem Handeln? Kann sich der Architekt mit Hinweis auf versehentliches Handeln die Versicherungsleistung vielleicht dennoch sichern?

Nicht wenn es sich um einen Verstoß gegen Basiswissen handelt z.B. Bauen ohne Baugenehmigung, Freigabe einer ungeprüften Rechnung, Abweichen von einer genehmigten Planung, Abwesenheit auf der Baustelle bei einer gefahrgeneigten Arbeit oder Nichterkennen eines offensichtlichen Mangels. Hier wird der Versicherungsschutz in der Regel tatsächlich versagt.

In anderen Fällen berufen sich die Versicherer nur gelegentlich auf den bewussten Verstoß. Hier sollte man dann  je nach Sachlage Widerspruch einlegen oder versuchen zumindest zu einem Vergleich zu kommen.

 

zuletzt aktualisiert 21.01.2016