Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartG mbB) gründen – versicherungstechnisch ganz einfach!

Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung gründen – versicherungstechnisch ganz einfach!

Sie besorgen sich von Ihrem aktuellen Berufshaftpflichtversicherer eine Bescheinigung gemäß Vorlage Ihrer Architektenkammer, dass dieser Ihnen ab dem Tag der Eintragung (im Partnerschaftsregister) den gesetzlich vorgeschriebenen (siehe Vorschrift Ihrer Architektenkammer) Mindestversicherungsschutz bietet. Denn die Partnerschaft wird im Verhältnis zu Dritten wirksam mit dem Tag der Eintragung und ab diesem Tag muss der gesetzlich vorgeschriebene Versicherungsschutz bestehen.

Diese Bescheinigung legen Sie dem Partnerschaftsregister vor. Die Eintragungsurkunde des Registers legen Sie dann Ihrem Versicherer vor und er wird – je nach Sachlage – identitätswahrender Rechtsformwechsel von einer GbR zur PartGmbB – oder neue Gesellschaft mit anderen Partnern – den bestehenden Versicherungsschein umschreiben oder Ihnen einen neuen Versicherungsvertrag anbieten.

Wenn eine alte Gesellschaft noch weiterhin Leistungen erbringt während auch schon die PartG mbB besteht, müssen eine Zeitlang zwei Versicherungsverträge parallel geführt werden, bis die alte Gesellschaft alle Leistungen erbracht hat oder diese Leistungen an die PartG mbB abgegeben hat.

Sie legen die Bescheinigung auch der Architektenkammer vor, damit Sie auch dort als PartG mbB eingetragen werden zur Führung der Berufsbezeichnung und Bauvorlageberechtigung.

Soweit zum Thema Versicherung.  Der Gesellschaftsvertrag zur PartG mbB ist mit einem Rechtsanwalt oder Notar abzustimmen.

Mindestprämien, was hat es damit auf sich?

in Prämientarifen der Versicherer finden sich oft Mindestbeiträge auf den unterschiedlichen Stufen. So wird verhindert, dass an der Schwelle zu dem nächsthöheren Prämiensatz für weniger Umsatz mehr bezahlt werden muss als für einen geringfügig höheren Umsatz.  Nachtteil ist, dass der Tarif Treppenstufen hat. Eine  durchgängige Interpolation der Prämien wäre wohl zu aufwändig.

Beispiel aus dem Tarif eines Versicherers / Promillesätze in Verbindung mit Mindestbeiträgen.  in der Tabelle gelb markiert:

99.000 EUR x 39,85 o/oo = 3.945,15 EUR

101.000 EUR x 29,95 o/oo = 3.024,15 EUR

Und nun: Mindestbeitrag ab 100.000,00 EUR > 3.985,00 EUR

Und 3.985,00 EUR : 29,95 > der Mindestbeitrag gilt von 100.000,00 EUR bis 133.000 EUR Umsatz.

Diese „Ungerechtigkeit“ gleicht sich nur über die Jahre mit unterschiedlichen Umsatzzahlen aus.

vhv 2.4

 

Regeln der Bautechnik nicht eingehalten – dennoch versichert?

Anerkannte Regeln der Bautechnik werden nicht eingehalten:

Bekanntlich besteht kein Versicherungsschutz wenn der Architekt bewusst gegen anerkannte Regeln der Technik verstößt. Dies ist jedoch manchmal nicht zu vermeiden.

Beispiel: Balkontüre soll behindertengerecht per Rollstuhl nutzbar sein: Dazu wird das Schwellenprofil der Tür- und Terrassenelemente auf ca. 10 mm über OK FF-Terrassenbelag abgesenkt. Diese Ausführung entspricht DIN 18040-1 „Barrierefreies Bauen“ und DIN 18025-1 und DIN 18025-2 „Barrierefreie Wohnungen“.  Jedoch stehen diese Vorschriften des barrierefreien Bauens im Widerspruch zur DIN 18195 „Bauwerksabdichtung“, Ausgabe 08/2000, den Flachdachrichtlinien 2009 und dem anerkannten Stand der Technik.

Versicherer verlangen hier z.B.

Stellt der Versicherungsnehmer bei der Erbringung seiner Leistungen für eine Baumaßnahme fest, dass geltende anerkannte Regeln der Bautechnik nicht eingehalten werden können oder auf Wunsch des Bauherrn nicht eingehalten werden sollen, ist er verpflichtet, den Bauherrn in jedem Einzelfall auf die betreffenden Abweichungen und die sich daraus ergebenden Folgen hinzuweisen und das Vorgehen zu begründen und sich dies vom Bauherren schriftlich bestätigen zu lassen.

Aber VORSICHT: Jeder Versicherer formuliert anders – insbesondere bieten viele Versicherer dieses Vorgehen nur für Bestandsbauten an, NICHT für Neubauten. Dort muss immer einzeln mit dem Versicherer abgestimmt werden.

 

Freier Mitarbeiter – Versicherungsnachweis Berufshaftpflichtversicherung – Architektenkammer Berlin

Für die Architektenkammer Berlin gehen Sie wie folgt vor  (Stand 1.2017)

Sie waren zum Beispiel bisher als angestellter Architekt Mitglied der Berliner Architektenkammer und wollen sich jetzt als selbständiger Architekt eintragen lassen, haben aber noch keine eigenen Aufträge sondern arbeiten als freier Mitarbeiter  für ein Architekturbüro.

Dann sind Sie als freier Mitarbeiter in der Versicherung dieses Büros mitversichert, das ist so bei allen deutschen Berufshaftpflichtversicherungen.

Lassen Sie sich von dem Büro für das Sie arbeiten eine Erklärung schreiben, dass Sie dort als freier Mitarbeiter tätig sind und dass Sie in der Berufshaftpflichtversicherung dieses Büros mitversichert sind und legen Sie eine Versicherungsbestätigung des Büros bei. Das schicken Sie dann zur Architektenkammer.

Erst wenn Sie selbst direkt Aufträge vom Bauherren annehmen, dann benötigen Sie eine eigene Berufshaftpflichtversicherung. Diese können Sie dann über hier bestellen.

 

Abrechnung und Laufzeit umstellen auf den 1. Januar

Berufshaftpflichtversicherungen werden nach dem Jahreshonorarumsatz abgerechnet. Die meisten Versicherer setzen den Versicherungsbeginn und auch die Hauptfälligkeit des Vertrages auf das Datum der Antragstellung. Wurde der Antrag z.B. am 11.7. eines Jahres gestellt, dann läuft der Vertrag immer vom 11.7. bis zum 11.7. des Folgejahres. Entsprechen müssen auch die Umsätze aus diesem Zeitraum gemeldet werden. Das ist oft sehr aufwändig und ein zusätzlicher Arbeitsgang neben der Aufstellung der Honorarumsätze 1.1. – 1.1. für die Steuer.

Deshalb empfiehlt es sich den Versicherer zu bitten auch die Hauptfälligkeit des Berufshaftpflichtversicherungsvertrages auf den 1. Januar zu setzen. Dann ist zwar neben vielen anderen Ausgaben auch diese Betriebsausgabe im Januar fällig,  dafür jedoch erheblicher Aufwand eingespart zur Ermittlung der Prämienberechnungsgrundlage.

Sie können die Zahlen die der Steuerberater erhält dann direkt an den Versicherer geben.

Regressansprüche gegenüber Subplanern sichern

Wenn Sie Aufträge untervergeben, haften Sie Ihrem Bauherren gegenüber bekanntlich auch für die Leistungen der Unterbeauftragten. Sofern deren Verjährung schon endet während Sie selbst noch haften, ist Ihnen in einem Schadenfall der Regress gegenüber dem Unterbeauftragten nicht mehr möglich.  Sie müssen also die Verjährungsfristen in deren Rahmen Sie von den Unterbeauftragten eine Leistung verlangen können, im Auge behalten. Im Schadenfall müssen Sie sich zu diesen Fristen mit Ihrem Versicherer verständigen um ggf. Maßnahmen zu treffen die z.B. die Verjährung unterbrechen. Das ist eine Verpflichtung, die sogenannte  Regresswahrungsobliegenheit. Bei Nichtbeachtung ist der Versicherungsschutz gefährdet.

Der jährliche Meldebogen zur Berufshaftpflichtversicherung

Sie erhalten jedes Jahr, zur Hauptfälligkeit Ihres Berufshaftpflichtversicherungsvertrags, von Ihrem Makler, Vermittler oder vom Versicherer direkt, einen Meldebogen. Ein Formular auf dem Sie zu qualitativen und quantitativen Veränderungen Ihrer Tätigkeit befragt werden. Der Meldebogen bezieht sich zwar auf das abgelaufene Versicherungsjahr, sollte aber hinsichtlich Veränderungen Ihrer Tätigkeit auch für das laufende Jahres beachtet werden.

Mit der Meldung des Umsatzes kann die aktuelle Prämie ermittelt werden. Je nach Versicherer wird „vorwärts“ abgerechnet. Die Prämie wird aufgrund des Umsatzes aus dem vergangenen Jahr für das laufende Jahr angepasst. Oder es wird „rückwärts“ und „vorwärts“ abgerechnet. das heißt die Prämie wird auch für das abgelaufene Jahr angepasst. Die nur „Vorwärts“ Methode ist einfacher nachzuvollziehen und rechenbar. „Ungerecht“ kann Sie nur u.U. werden für das erste Versicherungsjahr – ggf. keine Erstattung – und für das letzte Versicherungsjahr vor Ende des Vertrages, auch dort ggf. keine Erstattung. Ansonsten zahlen Sie in beiden Fällen bei gleichen Prämiensätzen den selben Beitrag.

Melden Sie keine Umsätze, dann hat der Versicherer das Recht bis zu einer Jahresprämie als „Strafnachtrag“ zu erheben. Das kommt zwar in der Regel nicht zu Anwendung. Wenn der Versicherer aber schon einmal so weit ist das von Ihnen zu verlangen, ist es schwierig ihn wieder davon abzubringen.

Neben der quantitativen Dimension geht es auch um die Tätigkeit die Sie erbringen. Diese kann sich verändern, und zwar so, dass sie über Ihren aktuellen Versicherungsschutz hinaus geht. Auslandtätigkeit, Bauträgertätigkeit, Generalplaner, Bauherrenschaft, Aufträge von Familienangehörigen, Fachingenieurleistungen etc.. Oft ist der Versicherer bereit hier nachträglich  in das abgelaufene Versicherungsjahr hinein Versicherungsschutz zu bieten, aber nur wenn Sie sich zeitnah melden. Ansonsten bleiben Sie hier ohne Versicherungsschutz oder erhalten diesen nur für die Zukunft.

Es ist also ein MUSS diesen Meldebogen immer spätestens innerhalb von 4 Wochen ausgefüllt zurück zu geben.

 

 

Die neue Berufshaftpflichtversicherung ist abgeschlossen, was müssen Sie jetzt beachten?

Die neue Berufshaftpflichtversicherung ist abgeschlossen, was müssen Sie jetzt beachten?

Wenn Sie eine Versicherungsbestätigung benötigen für Wettbewerbe, Bauherren oder Behörden, schicken Sie uns die Anforderung/ den Ausschreibungstext möglichst frühzeitig, damit wir die Bestätigung – auch mit erhöhten Versicherungssummen – rechtzeitig  besorgen können. Das kann je nach Arbeitsanfall beim Versicherer einige Tage dauern.

Wenn Sie mit einer Schadenersatzforderung konfrontiert werden, halten Sie möglichst umgehend mit uns Rücksprache. Behördliche und gerichtliche Schreiben immer sofort weiterleiten.

Sie erhalten alljährlich zum Ablauf des Versicherungsjahres einen Meldebogen mit dem wir Ihre Tätigkeit der Art und dem Umfang nach erfragen damit der Versicherungsvertrag entsprechend angepasst werden kann. Diesen Bogen bitte binnen 4 Wochen zurück geben. Das ist insbesondere wichtig um für nicht versicherte Risiken auch ggf. noch rückwirkend Versicherungsschutz zu erhalten.

Wichtig für Ihre Kostensteuerung. Versicherungsbeiträge werden immer im Voraus bezahlt für das kommende Versicherungsjahr. Zum Zeitpunkt der Rechnungsstellung ist jedoch noch nicht bekannt wie der Umsatz im abgelaufenen Jahr war. War dieser höher als im Vorjahr müssen Sie mit einer Nachprämie rechnen. Deshalb immer, gerade bei Umsatzschwankungen, eine entsprechende Rücklage aus dem guten Jahr bilden! Rechnen Sie sicherheitshalber immer mit  ca. 3% aus dem Honorar die Sie für die Berufshaftpflichtversicherung zurücklegen.

 

Altbau in Kreuzberg geräumt: Und dann kam Beton durch die Wand …

so schrieb der Berliner Tagesspiegel im Juni 2016. Lückenbebauung. Brandwand zu direkt angrenzendem Altbau bricht, flüssiger Beton dringt in Altbau. Dieser wird massiv beschädigt. Wo liegt der Fehler? Beim Architekten? Beim Statiker? Bei der ausführenden Firma? Beim Bauherren? Oder haben Alle Alles richtig gemacht und es dennoch trat der Schaden ein? Das bleibt zu klären.

Aber wie verhält es sich mit dem Versicherungsschutz? Wenn jemand etwas versehentlich falsch gemacht hat, ist dessen Haftpflichtversicherung zuständig, auch um nur dahingehende Vorwürfe und Ansprüche abzuwehren. War das Ereignis unvorhersehbar und überraschend? Hier kommt  die Bauleistungsversicherung ins Spiel. Diese versichert jedoch standardmäßig nur den Neubau. Schäden am Altbau an dem Bauleistungen erbracht werden, der unterfangen/ unterfahren wird, können in einem gewissen Umfang per Klausel eingeschlossen werden. Schäden am Altbau der „nur benachbart“ ist, können nicht per Standardklausel in der Bauleistungsversicherung versichert werden. Hier muss individuell geprüft werden ob und in welcher Form Versicherungsschutz möglich ist.

Was ist die Aufgabe des Architekten vor Baubeginn:

Er muss den Bauherren auf die Notwendigkeit von Bauleistungs- und Bauherrenhaftpflichtversicherung hinweisen. Er selbst sollte darauf bestehen, dass die Bauleistungsversicherung auf den Regress bei ihm verzichtet, zumindest dann wenn ihm seine Berufshaftpflichtversicherung nicht ohnehin Deckung bietet.

Er sollte für eine Beweissicherung der vor Baubeginn schon vorhanden Schäden an den Altbauten sorgen. Das ist eine Obliegenheit der Bauleistungsversicherung soweit Altbauschäden mitversichert werden.